Heinz der Unglaubliche

Heinz der Unglaubliche 

Heinz Schulze, ein waschechtes Original aus dem Ruhrgebiet, liebt das Ungewöhnliche. Schon zu Kinderzeiten entdeckte er seinen Reisedrang und erschreckte ungewollt seine Eltern. Als kleiner Junge wollte Heinz „nur mal so um den Block“ und fuhr dabei ganz unbedarft, über Stunden, von Essen nach Oberhausen – mit seinem Kettcar. Auch in der Berufsentwicklung führten seine Wege eher zu ungewöhnlichen Stationen. Erlernte er am Anfang noch den klassischen Schreinerberuf,  wurde ihm relativ schnell klar, dass es doch noch etwas Aufregenderes geben musste.  Er wurde Motorradkurier und schulte um zum Tierpfleger. Sein Spezialgebiet wurden die Reptilien und diese Aufgabe verband Heinz mit seiner Reiseleidenschaft. Eine Schlangenfarm in Südamerika erschien auf der to do-Liste.

Zurück in Deutschland lernte Heinz über einen Motorradclub seinen zukünftigen Chef kennen und ließ sich zum Leichenbestatter umschulen. Heinz begann sein frühes Motorradleben mit einer Kawasaki Z 250, aber leider war nach drei Wochen schon wieder Schluss, durch einen unverschuldeten Unfall, entstand eine Zwangspause mit Gipshand. Er ließ sich aber nicht abschrecken und es folgenden unfallfreie 100.000 Kilometer auf einer Yamaha XJ 650. Über lange Jahre und etlichen tausenden Kilometern fuhr er die damaligen Yamaha Flaggschiffe, dreimal XS 1100. Buenos Aires, Chile, Bolivien, Paraguay, Uruguay…. Für Heinz und seine BMW kein Problem.

In Uruguay lernte er den stolzen Besitzer der einzigen südamerikanischen Horex kennen. Die Freundschaft der beiden Freundschaft Motorradfahrer hält heute noch an. Südamerika hat Heinz begeistert und sechs weitere Reisen folgten.
Seit einem Kanadaurlaub liebäugelte Heinz mit einer Honda Goldwing und ist sie trotz der Dimensionen oder gerade wegen der Dimensionen für ihn das ideale Reisemotorrad.Der Gedanke ist nicht abwegig, wenn man auf der Straße bleibt! Aber Heinz ist abwegig.

Auf dem Duisburger Motorradtreff  dem „Zoo Kaiserberg“, ein passender Ort schließlich war er ja mal Tierpfleger, kauft Heinz sich eine blaue 1500er Goldwing. Zur Probefahrt nimmt er sich kurzerhand Urlaub und fährt über Frankreich, Spanien nach Lissabon. Tagesetappen von 1200 Kilometern, sind für Heinz auf dem bequemen Hondasessel, kein Problem. Auch der Schnee in den französischen Bergen schreckt ihn nicht ab und so wird das Motorrad mit zusätzlichen 10.000 Kilometer nach kürzester Zeit wieder in die Garage gestellt. Einstellungstest bestanden – Moped gut.

Stollenreifen für die Goldwing? Gibt es leider nicht, aber Heinz sieht hier keinen Grund, sich keiner weiteren Herausforderungen zu stellen. Er meldet sich zur der Wupp-Enduro an und zieht damit im Steinbruch die erstaunten Blicke der Mitfahrer und die der begeisterten Zuschauer ganz auf sich. Auch die Berber im Atlas-Gebirge staunen nicht schlecht, als  die dicke Goldwing mit der Startnummer 67 an ihnen vorbeifliegt. Gejubelt haben die Kinder im Wüstensand von Tunesien und in den einsamen Bergdörfern Albaniens, die Goldwing ist immer wieder die Eintrittskarte zu den staunenden Menschen.

Cool  sind auch seine Winterfahrten quer durch die Republik. Oder der legendäre Einsatz auf dem Sankt Martinsfest des örtlichen Kindergartens. Ross und Reiter waren nicht aufzutreiben, da übernimmt Heinz kurzerhand den Mantel und das Plastikschwert. Heinz fährt nicht einfach so auf Reisen, er hat immer ein bestimmtes Ziel oder einen besonderen Grund vor Augen.

Inspiriert durch eine Geschichte in einem Buch von Ernst „Klacks“ Leverkus, folgt er den Spuren aus den sechziger Jahren von Klacks Ehefrau Inge Rogge, und fährt zur Dragon Rallye nach Wales. Heinz fasziniert diese Reisegeschichte und hat das Ziel, mehr darüber zu erfahren. Er macht die Familie von Inge ausfindig, interviewt erste Zeitzeugen. Er macht Rast an den alten Übernachtungsorten der vergessenen Route. Die Besitzer kramen alte Fotos und Anekdoten hervor. Erinnerungen werden wach, Hinweise werden gegeben. Tankstellen von damals wandelten sich in Eros-Center, Schotterpisten modernisiert zu Landstraßen, Landstraßen verschwanden in Autobahnteilstücke. Heinz studiert Landkarten, alte Artikel und Fotos. Er startet Aufrufe in den Zeitungen und den Lokalradios, um ehemalige Zeitzeugen zu finden.

Heinz sucht intensiv die Clique aus Castrop, jene Gruppe verrückter Motorradenthusiasten, die über einen langen Zeitraum fast jährlich nach Wales fuhren und auch die Inge kannten. Er sucht den Friedhelm mit dem roten Bart, das Polizistenduo aus dem Zeitungsinterview, die Kneipe in der sich die wilde Meute traf. Er kontaktiert Behörden, Motorradmuseen, besucht die Oldtimerszene. Nach und nach fügen sich die Puzzelstücke zusammen, er trifft den ersten Haudegen von damals und führt tatsächlich den Castroper Drachenclub wieder zusammen. Dank Heinz, ein Wiedersehen nach fast  50 Jahren.

Heinz nimmt natürlich auch Kontakt zu dem Dragon Club in Wales auf und macht sich prompt auf den Weg ins Königreich. Bei dieser Gelegenheit besucht er seine, vor Jahrzehnten ausgewanderte Tante. Stolz sitzt die 80jährige Waliserin als Sozia auf der Goldwing und zeigt ihre Heimat. Herzlichst begrüßt wird Heinz vom Dragon Club im kultigen Clubhaus, im Schatten der Festung von Conway. Die Clubmitglieder überhäufen Heinz mit urigen Geschichten und Erlebnissen aus der Gründungszeit der Dragon Rallye. Natürlich kennt man auch die Inge und weitere vergilbte Fotos wandern aus dem Fotoalbum auf den Clubtresen.

Die blaue Goldwing von Heinz, bekommt nach dieser Suche keine Ruhe, entweder befährt er mit Ihr Waldwege quer durch den Böhmerwald oder sie begleitet ihn, wenn er als Motorradscout eines Radrennens tätig ist. Und während ich diesen Artikel verfasse, erreicht mich ein aufgeregter Anruf von Heinz, er ist auf dem Weg in die Slowakei und hat durch Zufall bei Frankfurt die Schilder eines Motorradteilemarkts gesehen.
„Bruno, ich wühle gerade in den Kisten eines Büchersammlers und habe Unglaubliches gefunden….“

 

 

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Kommentare

„Heiz der Unglaubliche“ – ja das stimmt 1000 prozentig. Wir haben 2004 Heinz auf unserer Trekking-reise in Vietnam kennengelernt.
Da wir in Wuppertal wohnten, war ja Essen „gleich um die Ecke“ und so entwickelte sich aus unserer Bekanntschaft eine Freundschaft.
Obwohl wir vor 3 Jahren Deutschland verlassen haben und ins „kleine Land mit den vielen hohen Bergen“ – die Schweiz gezogen sind, besteht die Freundschaft weiterhin.
Nur halt die Kilometerdistanz ist nun etwas größer. Aber auch diese Strecke hatte die Gold Wing vor 2 Jahren schon geschafft.
Und mal schnell zur Info. wir sind schon wieder mal „gezügelt“ ( so sagen wir hier halt zum umziehen). Aber das Land haben wir nicht verlassen, nur das Dorf „gewechselt“.
Also wenn Dich der Wind wieder Richtung Süden treibt, ein Platz für Dich und die Gold Wing ist immer frei!

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